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Alexa und Josie

Wenn wir über Pferde sprechen, denken wir meist an das Reiten, sei es im Gelände, der Arbeit mit ihnen für z.B. ein Turnier, vielleicht auch noch an die notwendige Bodenarbeit… Meist sehen wir einen Zweck darin, verfolgen ein Ziel, bewusst oder unbewusst.
Wann sind wir so achtsam und vertrauensvoll einfach nur den Moment zu erleben, zu sehen, zu spüren und anzunehmen was ist? Dabei können uns die Pferde viel mehr lehren und uns unterstützen, als wir manchmal glauben.

Ich hatte eine Begegnung mit den Pferden, die mich auch heute noch berührt und mir wieder einmal gezeigt hat, was diese Tiere uns geben können.

Ich war auf einem Seminarhof und wollte ein wenig mit den Tieren arbeiten, vor allem aber etwas Abstand bekommen, durchatmen. Ein mir naher Mensch war plötzlich viel zu früh gestorben und das hat mich sehr getroffen.

Bei den Kontakten mit den Pferden war ich demzufolge nicht wirklich immer präsent und der Spiegel Pferd zeigte mir dies postwendend. An einem Tag ging ich durch die Gegend, meinen Gedanken freien Lauf lassend. An der Stutenweide vorbeikommend überlegte ich, wie sonst, zu ihnen zu gehen. Ich wusste ich würde heute die Achtsamkeit nicht haben, war viel zu sehr mit mir beschäftigt und nach meiner Wahrnehmung weit davon entfernt meiner Führungsrolle gerecht zu werden.

Dennoch betrat ich die große Weide. So weit ich die Tiere sehen konnte waren sie friedlich am grasen. Hatten mich natürlich bemerkt und einige hoben kurz den Kopf, um dann weiter ihrer Nahrungsaufnahme nach zu gehen.

Da stand ich nun mit meinen Gedanken und Gefühlen, die immer stärker wurden.
So sehr versunken, dass ich erst gar nicht bemerkte das Alexa, eine Friesenstute, zu mir kam und auch Josie, ihr Kumpel, kam aus der anderen Richtung.
Alexa bedrängte mich nicht wie des Öfteren um ihre Streicheleinheiten einzufordern und auch Josie zeigte keinerlei Reaktion ihrer manchmal auftretenden Eifersucht.
Stattdessen legten sie leicht angelehnt rechts und links ihre großen Köpfe an meine Schulter und blieben wie ich lange regungslos so stehen.

Ich weiß meine Empfindungen kaum zu beschreiben…Ich konnte meinen Gefühlen und Tränen freien Lauf lassen, ohne Worte, ohne Erklärungen. Alexa und Josie standen die ganze Zeit bei mir und ich fühlte mich so geborgen, gehalten und absolut sicher. Keine Spur von Fragen nach dem - was tust du da gerade, oder wie sollte ich eigentlich reagieren? -, nichts außer Authentizität, Vertrauen und Harmonie…

Als ich mich langsam beruhigte, bemerkte ich Ronja, die Leitstute, etwa zehn Meter vor uns. Sie muss wohl die ganze Zeit da gestanden haben und es schien, als ob sie uns von den anderen Pferden abgeschirmt hat. So gern hätte ich diesen Moment (wie wir Menschen nun mal sein können) in irgendeiner Form festgehalten und doch hat das tiefe Annehmen und Loslassen diese Situation erst so vollkommen und wertvoll gemacht.

Ich bedankte mich aus vollem Herzen bei den beiden, die danach wieder ihrer Wege gingen und als ob nichts gewesen wäre weiter grasten. Auch Ronja lief zurück zu den anderen und wollte erst gar keine weiteren Reaktionen von mir.
Einen Moment noch schaute ich ihnen nach, mir ging es so viel besser, und voller Dankbarkeit , berührt und bereichert verließ ich die Weide.

Vielleicht mögen einige jetzt denken, was für eine sentimentale Geschichte. Mir aber hat dieses Erlebnis wieder einmal gezeigt wie sehr die Pferde im Hier und Jetzt sind, jede Form von Gefühlen wahrnehmen und darauf reagieren. Sich die Pferde für uns Menschen scheinbar wortlos abstimmen und absolut zutreffend handeln. Sie haben mir gezeigt, wie viel es bewirkt, einfach nur da zu sein und eine emotionale Situation mit zu tragen.
Wie oft sind wir uns unserer Gefühle aber nicht bewusst und wundern uns dann, wenn die Tiere nicht so reagieren wie wir es gerade wollen, oder versuchen unseren Willen sogar mit Macht einzufordern.
Auch wir Menschen haben diese Grundeigenschaft der Wahrnehmung, wir tun dies täglich. Leider entscheiden wir viel zu oft aus dem Verstand heraus, vernachlässigen was wirklich gerade wichtig ist und berauben uns damit Momenten wie diesen.

Was nützt uns das Wissen wenn wir nicht fühlen und handeln, was das Wort Vertrauen wenn wir es nicht tun.
Manchmal, wenn ich nicht genau weiß wie es mir geht, gehe ich zu den Pferden. Schon mal bin ich frustriert wenn sie es mir zeigen, aber immer bin ich danach um eine Erfahrung reicher, über mich und die Weisheit der Pferde.